Die militärischen Fachwerke in der Bibliothek Christoph Daniel von der Schulenburgs verkörpern das Ideal einer adligen Führungspersönlichkeit des 18. Jahrhunderts: den Offizier als strategisch denkenden Praktiker, der seine Erfahrung durch theoretisch fundiertes Wissen ergänzte. Diese Literatur war keine bloße Sammlung historischer Kriegsberichte, sondern diente als funktionales Instrument der Ausbildung, Selbstdisziplin und Einsatzvorbereitung - Gebrauchswissen für den Ernstfall. Marschordnungen, Disziplinregelwerke und Kriegswissenschaften bildeten ein Repertoire, das auf konkrete Handlungsfähigkeit im Ernstfall zielte.
Im Unterschied zu rein akademisch geprägten Bibliotheken stellte Schulenburgs Sammlung ein Arsenal angewandter Kenntnisse dar – ein intellektueller Werkzeugkasten für das Kriegshandwerk, geprägt von virtus, disciplina und scientia belli. Bildung war in diesem Kontext nicht Selbstzweck, sondern Mittel zur souveränen Leitung von Truppen und zur Kontrolle des Kriegsverlaufs. Die Bibliothek wurde damit zum Spiegel eines militärisch gedachten Bildungsideals, das Denken und Handeln untrennbar miteinander verband.
Grundlagen des Kriegswesens
Besonders hervorsticht das zweibändige Werk L’École de Mars (1725), das als eine Art „Kriegsschule auf Papier“ konzipiert war. Es vermittelt praxisnahe Kenntnisse über Disziplin, Marschordnung, Formationen, Belagerungstechniken und das Rollenverständnis des Offiziers – eingebettet in ein allegorisches Konzept, das militärisches Können mit moralischer Erziehung verbindet. Die Verwendung des Kriegsgottes Mars im Titel verweist auf den Anspruch, Tugend und Technik zu vereinen.
Ingenieur- und Festungsliteratur
Ein weiteres zentrales Werk ist Vaubans De l’attaque et de la défense des places (1742). Es gilt als einer der einflussreichsten Texte zur Festungskunst im 17. und 18. Jahrhundert. Für einen Feldherrn wie Schulenburg, der im Spanischen Erbfolgekrieg aktiv war, bot das Werk ein Kompendium zur Anwendung von Belagerungstechnik, Schanzbau und Artillerieeinsatz.
Taktische Ausbildung und Offiziersethik
Das anonym erschienene Handbuch zur Belehrung der Landwehr-Subaltern-Offiziere ist ebenfalls in Schulenburgs Bibliothek vorhanden. Es diente der Vermittlung von Verhaltensnormen, Pflichten, Kommandotechniken und der Einbindung in die preußische Armeestruktur. Dieses Werk zeigt, wie sehr Schulenburg auch an der Ausbildung nachfolgender Offiziersgenerationen interessiert war – nicht nur als Praktiker, sondern auch als Mentor.
Ein Kanon praktischen Wissens
In ihrer Gesamtheit bilden diese Werke ein taktisch-funktionales Literaturensemble, das Schulenburg als Teil einer militärischen Bildungselite ausweist. Es diente der konkreten Vorbereitung auf Feldzüge, der Analyse vergangener Manöver und der theoretischen Durchdringung des Handwerks der Kriegsführung.