Schulenburg Familie in Angern

Das Geschlecht derer von der Schulenburg ist eines der ältesten Adelsgeschlechter Deutschlands, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen.

Informationsnetzwerke des aufgeklärten Adels. Unter den Beständen in Christoph Daniel von der Schulenburgs Bibliothek finden sich auch mehrere periodische Schriften und Sammelwerke, die einen direkten Bezug zur politischen, wissenschaftlichen und militärischen Gegenwart seiner Zeit aufweisen.

Diese Werke – Zeitschriften, geographische Mitteilungen, historische Jahrbücher und Almanache – belegen ein aktives Interesse an aktuellen Entwicklungen sowie ein Bedürfnis nach strategischer Information im Dienste militärischer und diplomatischer Orientierung.

Das Militär-Wochenblatt: Nachrichten von der Front

Besonders markant ist der Besitz mehrerer Jahrgänge des Militär-Wochenblatts (1844, 1846), eines der wichtigsten militärischen Fachjournale im deutschsprachigen Raum. Die Zeitschrift berichtete über Truppenbewegungen, Reformen, Rüstungsentwicklungen und Manöverberichte – also Themen, die für aktive und ehemalige Offiziere von praktischer Bedeutung waren. Für Schulenburg, der trotz seines Todes 1745 offenbar durch Nachlasspflege oder familiäre Weitergabe mit späteren Ausgaben verbunden ist, spiegeln diese Bände den Versuch, militärisches Wissen nicht nur historisch, sondern auch zeitgenössisch auf dem neuesten Stand zu halten.

Geographische Orientierung und Forschungsberichte

Mit den Mitteilungen aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt sowie der Zeitschrift für allgemeine Erdkunde (Bände 6 und 11) besaß Schulenburg zwei bedeutende geowissenschaftliche Zeitschriften der Aufklärung und Frühmoderne. Sie dokumentierten Reisen, Expeditionen, Kartenneuentwicklungen, aber auch koloniale Besitzstände und naturkundliche Erkenntnisse. Für einen Adligen mit weltpolitischem Interesse bedeuteten sie Orientierungswissen – nicht zuletzt im Kontext strategischer Erwägungen und diplomatischer Raumkenntnis.

Forschungsjournale und historische Jahrbücher

Ebenfalls vertreten ist die Reihe Forschungen zur Brandenburgischen und Preußischen Geschichte, die insbesondere für das preußische Amts- und Dynastieverständnis relevant war. Sie sammelte Beiträge zur Staatsgeschichte, Militärverfassung und Dynastienbildung in der Mark Brandenburg – Themen, die mit Schulenburgs Herkunft und Karriere eng verbunden sind. Solche Werke dienten auch der legitimierenden Geschichtspolitik preußischer Eliten im langen 18. Jahrhundert.

Funktion im Bildungshorizont des Adels

Die Aufnahme solcher periodischer Literatur in eine Privatbibliothek weist auf ein Bewusstsein hin, das Wissen nicht nur als Kanon vergangener Zeiten, sondern auch als dynamischen Fluss verstand. Zeitschriften waren im 18. Jahrhundert die schnellsten Träger von Nachrichten, Ideen, Debatten und Innovationen. In Schulenburgs Sammlung zeigen sie die Verbindung von Tradition und Aktualität: Der gebildete Adelige war nicht nur Archivar der Geschichte, sondern Leser der Gegenwart.

Fazit

Die Zeitschriften und Almanache in Schulenburgs Bibliothek sind ein Beleg für seine strategische Wachsamkeit, seine und sein Bedürfnis, politische, militärische und geographische Entwicklungen im Blick zu behalten. Sie machen die Bibliothek zu einem lebendigen Ort intellektuellen Austauschs, in dem sich der traditionelle Stand mit dem modernen Informationszeitalter verband – ein Beweis für Schulenburgs Anschlussfähigkeit an die Kultur der Aufklärung.

Im 14. Jahrhundert teilte sich in der Altmark die Familie von der Schulenburg in zwei Linien. Dietrich II. (1304–1340) begründete die Schwarze Linie , sein jüngerer Bruder Bernhard I († nach 1340) die Weiße Linie . Beide Linien teilten sich im Laufe der Jahrhunderte weiter auf und werden genealogisch nach „Ästen“, „Zweigen“ und „Häusern“ sortiert.
Fritz I. von der Schulenburg (1350-1415) (Wikipedia ) war der nähere Stammvater aller drei Äste der weißen Linie des Hauses von der Schulenburg. Er hat den Übergang der Mark Brandenburg an die Hohenzollern aktiv miterlebt und zeigte sich dabei als ein selbstbewusster Schloßgesessener seiner Zeit und herausragender Vertreter des gemäßigten Teils des märkischen Adels.
Bernhard von der Schulenburg (1427–1469) wurde im Jahre 1448 mit seinen Brüdern Busso und Matthias durch Lehnbrief Erzbischofs Friedrich von Magdeburg zu rechten männlichen Lehen beliehen.
Busso von der Schulenburg (1415–1474) wurde im Jahre 1448 mit seinen Brüdern Bernhard und Matthias durch Lehnbrief Erzbischofs Friedrich von Magdeburg zu rechten männlichen Lehen beliehen. Er wurde somit der Begründer des älteren Zweigs der Familie von der Schulenburg in Angern.
Matthias I von der Schulenburg (1410–1479) wurde im Jahr 1448 gemeinsam mit seinen Brüdern Busso und Bernhard durch einen Lehnbrief von Erzbischof Friedrich von Magdeburg zu einem rechten männlichen Lehen mit der Herrschaft Angern belehnt und begründete den jüngeren Zweig , der den Burghof in Angern besaß. Er war ein bedeutender kurbrandenburgischer Rat, Landeshauptmann der Altmark , Ritter und Herr auf Beetzendorf sowie Pfandinhaber von Altenhausen .
Bernhard XI. von der Schulenburg († 1500 ) war der Sohn des Stammvaters des jüngeren Zweigs Matthias I. Er war Herr auf Altenhausen , Angern und Beetzendorf .
Matthias III. von der Schulenburg (* 1506, † 1542 ), gefallen in den Türkenkriegen vor Pest ) war der Sohn von Bernhard XI. von der Schulenburg . Er war Herr auf Altenhausen , Angern und Beetzendorf und setzte den jüngeren Zweig der weißen Linie fort.
Die acht Söhne des Matthias III. von der Schulenburg und Margarethe von der Lühe († 1525), die das Erwachsenenalter erreichten, zeigten bis auf den jüngsten eine ausgeprägte Neigung zum Soldatenstand und nahmen an Kriegszügen teil, aus denen drei nicht zurückkehrten. Der älteste Sohn, Jakob II. (*25.03.1515 in Beetzendorf , †1576 in Magdeburg ), ist neben Fritz VIII. der zweite große Söldnerführer , den das Schulenburg'sche Geschlecht in dieser Epoche hervorgebracht hat.
Daniel I. Reichsfreiherr von der Schulenburg (* 3. Juni 1538 in Altenhausen ; † 6. November 1594 in Angern ) lebte in einer Zeit bedeutender politischer und wirtschaftlicher Umbrüche in der Altmark und im Erzstift Magdeburg .
Henning III. von der Schulenburg (*1587, †01.09.1637) übernahm nach dem Tod seines Vaters Daniel I. den Burghof in Angern. Während des Dreißigjährigen Krieges erlebte er die Verwüstungen, als Angern 1631 zwischen die Fronten der kaiserlichen Truppen unter General Tilly und der schwedischen Armee geriet.
Henning Christoph von der Schulenburg (* 1648 oder 1649 auf Angern , † 27.12.1683 in Staßfurt ) war ein kurbrandenburgischer Hauptmann. Als der älteste Sohn von Heinrich XI. von der Schulenburg (geb. 1621, gest. 1691) und Ilse Floria von der Knesebeck (geb. 1629, gest. 1712) erbte er nach dessen Tod die Güter Angern und Falkenberg.
Heinrich XI von der Schulenburg (* 06.09.1621 auf Angern , + 19.05.1691 in Kehnert )– Herr auf Angern, Kehnert mit Cobbel, Schricke und Falkenburg war der jüngere Sohn von Henning III. von der Schulenburg (*1587, †01.09.1637) und Catharina Schenk von Flechtingen. Er studierte an der Universität Helmstedt , einer der führenden Bildungsstätten des 17. Jahrhunderts. Sein Studium legt nahe, dass er sich früh auf Verwaltungs- und Rechtsfragen spezialisierte, um die weitläufigen und durch Kriegswirren belasteten Güter der Familie effizient zu führen.
Alexander Friedrich Christoph ( 05.08.1720 – 19.09.1801 ) ist Sohn des Heinrich Hartwig I. (Oberst auf Angern, Wenddorf und Bülitz). Sein Oheim Christoph Daniel setzte ihm im Testament das Gut Krüssau als ein Majorat aus. Im Kodizill 1763 wurde dies jedoch dahingehend geändert, dass er Angern als Majorat bekommen sollte, wenn er den österreichischen Dienst verließe und von seinem Landesherrn König Friedrich II. wegen dieses Fehlers Verzeihung erhielte.
Christoph Daniel von der Schulenburg , geboren 1679 auf dem Gut Angern in der Altmark und verstorben ebendort im Jahr 1763 , zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten des brandenburgisch-preußischen Adels im 18. Jahrhundert. Sein Lebensweg vereint in exemplarischer Weise militärische Laufbahn , diplomatische Missionen und kulturelles Mäzenatentum . Nach seiner frühen militärischen Ausbildung diente Schulenburg zunächst in brandenburgischen Regimentern und trat später in die sardinisch-savoyische Armee ein, wo er bis zum General der Infanterie aufstieg. Seine militärischen Verdienste zeigten sich unter anderem in den Feldzügen in Italien und der erfolgreichen Verteidigung der Festung Pizzighettone . Parallel dazu wurde er als Gesandter des preußischen Hofes entsandt – etwa nach Warschau –, wo er diplomatisches Geschick mit militärischer Expertise verband.
Die Familiengeschichte des Hauses Angern nimmt seinen weiteren Lauf mit den Söhnen Henning Christophs v.d. Schulenburg : Heinrich Hartwig I (* 23.09.1677 auf Angern, nach anderen Quellen Staßfurth; † 17.06.1734 auf Angern) und Christoph Daniel I .
Zu höherem Ruhm in der savoyischen Armee gelangte sein jüngerer Bruder Christoph Daniel I . (geb. 11.2.1679, gest. 22.11.1763 in Angern). Christoph Daniel von der Schulenburg ist Sohn des Henning Christoph, General der Infanterie auf Angern und Krüssau .
Friedrich Christoph Daniel Graf von der Schulenburg (* 10. Februar 1769 auf Angern; † 16. Mai 1821 in Magdeburg) ist Sohn des Alexander Friedrich Christoph Graf von der Schulenburg .
Edo Friedrich Christoph Daniel , geb. 27.04.1816 in Angern, gest. 06.08.1904 in Angern, wurde 1821 dritter Fideikommissherr auf Angern. Edo war einziger Sohn des Magdeburger Regierungspräsidenten Friedrich Graf v.d. Schulenburg aus dessen zweiter Ehe mit der Tochter des Braunschweigischen Landdrosten, Auguste Luise Adolphine von Cramm. Bei seiner Taufe übernahm König Friedrich Wilhelm III . eine Patenstelle.
Friedrich Wilhelm Christoph Daniel Graf von der Schulenburg (* 1843 in Angern; † 1921) war Sohn des Edo Friedrich Christoph Daniel (1816-1904) und der Helene, geb. v. Schöning. Bei seiner Taufe übernahm König Friedrich Wilhelm IV. die Patenstelle.
Sigurd Wilhelm Graf von der Schulenburg (* 1882; † 1956), Sohn des Friedrich Wilhelm Christoph Daniel (1843-1921) war der fünfte und letzte Fideikommissherr auf Angern. Bei seiner Taufe am 5. November 1882 übernahm Kaiser Wilhelm I. eine Patenstelle , wie auch bei seinem Vater, Großvater und Urgroßvater die damals regierenden preußischen Könige Taufpaten gewesen waren.
Kuno Wilhelm Christoph Daniel Graf von der Schulenburg (* 1923 in Magdeburg; † 1987 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Jurist und Mitglied der XXI. Generation der Familie von der Schulenburg. Kuno Wilhelm wurde als einziger Sohn von Sigurd-Wilhelm Graf von der Schulenburg geboren.
Alexander Friedrich Christoph Graf von der Schulenburg wurde am 4. August 1968 in Frankfurt am Main geboren. Er ist Sohn von Kuno Wilhelm Christoph Daniel (1923-1987) und Jutta, geb. v. Franocis. Er führt die lange Tradition seiner Familie fort, die seit fast 500 Jahren in Angern verwurzelt ist, und engagiert sich aktiv für die Bewirtschaftung der wieder eingerichteten Forstbetriebs sowie die Rekonstruktion und Erhaltung des Schlosses und des Parks.