Schulenburg Familie in Angern

Das Geschlecht derer von der Schulenburg ist eines der ältesten Adelsgeschlechter Deutschlands, dessen Wurzeln bis ins 13. Jahrhundert zurückreichen.

Politische Lektüre für den Gesandten. Der Bestand an politischen und diplomatischen Schriften in Christoph Daniel von der Schulenburgs Bibliothek verweist auf ein tiefgreifendes Interesse an den Machtarchitekturen und strategischen Spannungen Europas im 18. Jahrhundert. Diese Werke zeugen nicht von bloßer Neugier, sondern von einer professionellen Aneignung diplomatischen Wissens – von Staatsräson, Kabinettspolitik und dem Völkerrecht der frühen Neuzeit. Es sind Kategorien, die im Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus zum Handwerkszeug der Eliten avancierten.

Schulenburgs politische Bibliothek war kein passiver Bücherschatz, sondern ein intellektuelles Instrument. Ihre Titel verbanden Staatslehre mit Geschichte, Strategie mit moralischer Reflexion, internationale Ordnung mit höfischer Praxis. Sie formte den Gesandten als einen Leser, der mit den Begriffen seiner Zeit zu operieren wusste – und zugleich den Leser als einen Akteur, der die politischen Spiele Europas durchschauen, kommentieren und mitgestalten konnte.

Europäische Kräfteverhältnisse: Theorie und Praxis

Werke wie Les intérêts présents des puissances de l’Europe von Jean Rousset de Missy (1733) analysierten die aktuellen Interessenlagen der europäischen Großmächte. Sie dienten als analytische Wegweiser im komplexen Gefüge von Allianzen, kolonialen Ambitionen, dynastischen Rivalitäten und konfessionellen Konfliktlinien. Gerade für Schulenburg, der als Gesandter u.a. in Warschau tätig war, boten solche Werke eine wertvolle Grundlage zur Lageeinschätzung und diplomatischen Positionierung.

Diplomatie als Handwerk: Sprache, Protokoll, Präzedenz

Die Lettres du Cardinal d’Ossat (1714) boten Schulenburg nicht nur Einblick in diplomatische Strategien, sondern auch konkrete Formulierungen, rhetorische Modelle und protokollarische Lösungen für komplexe Missionslagen – ein Werkzeugkasten für den Gesandten. Der Recueil des principaux traitez de paix (1715) – eine Sammlung bedeutender europäischer Friedensverträge – dürfte Schulenburg als Nachschlagewerk zur Vorbereitung auf seine diplomatischen Missionen gedient haben. Hier konnte er auf historische Präzedenzfälle, Vertragsformulierungen und Machtverhältnisse zurückgreifen.

Verfassungsvergleiche und strategisches Staatsdenken

Ein weiteres Kernstück war Histoire du gouvernement de Venise (1705) von Amelot de La Houssaie. Es analysiert, wie Staaten Bündnisse schmieden, Macht balancieren und ihre Feinde strategisch einschätzen. Das Werk bot nicht nur Einblick in das einzigartige republikanische Regierungssystem Venedigs, sondern lieferte Schulenburg auch einen politisch-militärischen Vergleichsrahmen: Die Balance zwischen Adel, Senat, Rat und Doge spiegelte die Stabilität durch Struktur, die auch für Schulenburgs Verständnis diplomatischer Balance zentral war. Wagner nahm es aus gutem Grund 1724 in seine Soldaten-Bibliothek auf.

Friedensverträge als Werkzeug und Erinnerung

Der Recueil des principaux traitez de paix (1715) – eine umfangreiche Sammlung bedeutender europäischer Friedensverträge vom Westfälischen Frieden (1648) bis zum Frieden von Utrecht (1713) – war mehr als ein historisches Nachschlagewerk: Es diente Schulenburg als Instrument zur Vorbereitung von Verhandlungen, als Quelle politischer Präzedenzfälle und rhetorischer Strategien. Vertragstexte bildeten im diplomatischen Alltag einen argumentativen Fundus – etwa für Fragen der Souveränität, territorialen Integrität oder dynastischen Rechtsansprüche.

Politik als intellektuelle Disziplin

Die Memoiren des Baron von Pöllnitz ergänzten die theoretischen Schriften um subjektive Perspektiven auf höfisches Leben, Patronage, Einflusszonen und Intrigensysteme. Schulenburg sammelte solche Texte nicht nur zur Unterhaltung, sondern zur Einübung diplomatischer Menschenkenntnis – ein entscheidender Faktor in einer Zeit, in der Politik oft persönlich verhandelt wurde.

Politische Realität im Spiegel des Buches

Die polnische Königswahl von 1733, an der Schulenburg als Gesandter mitwirkte, war ein Höhepunkt europäischer Machtpolitik. Frankreich, Österreich, Russland und Sachsen stritten um die Nachfolge Augusts des Starken. Die Werke in Schulenburgs Bibliothek gaben ihm vergleichende Modelle, um die Dynamik solcher Konflikte zu verstehen – etwa durch die Betrachtung venezianischer Verfassungsstrukturen oder der englischen Nachfolgekrisen im Werk über Guillaume III von England.

Im 14. Jahrhundert teilte sich in der Altmark die Familie von der Schulenburg in zwei Linien. Dietrich II. (1304–1340) begründete die Schwarze Linie , sein jüngerer Bruder Bernhard I († nach 1340) die Weiße Linie . Beide Linien teilten sich im Laufe der Jahrhunderte weiter auf und werden genealogisch nach „Ästen“, „Zweigen“ und „Häusern“ sortiert.
Fritz I. von der Schulenburg (1350-1415) (Wikipedia ) war der nähere Stammvater aller drei Äste der weißen Linie des Hauses von der Schulenburg. Er hat den Übergang der Mark Brandenburg an die Hohenzollern aktiv miterlebt und zeigte sich dabei als ein selbstbewusster Schloßgesessener seiner Zeit und herausragender Vertreter des gemäßigten Teils des märkischen Adels.
Bernhard von der Schulenburg (1427–1469) wurde im Jahre 1448 mit seinen Brüdern Busso und Matthias durch Lehnbrief Erzbischofs Friedrich von Magdeburg zu rechten männlichen Lehen beliehen.
Busso von der Schulenburg (1415–1474) wurde im Jahre 1448 mit seinen Brüdern Bernhard und Matthias durch Lehnbrief Erzbischofs Friedrich von Magdeburg zu rechten männlichen Lehen beliehen. Er wurde somit der Begründer des älteren Zweigs der Familie von der Schulenburg in Angern.
Matthias I von der Schulenburg (1410–1479) wurde im Jahr 1448 gemeinsam mit seinen Brüdern Busso und Bernhard durch einen Lehnbrief von Erzbischof Friedrich von Magdeburg zu einem rechten männlichen Lehen mit der Herrschaft Angern belehnt und begründete den jüngeren Zweig , der den Burghof in Angern besaß. Er war ein bedeutender kurbrandenburgischer Rat, Landeshauptmann der Altmark , Ritter und Herr auf Beetzendorf sowie Pfandinhaber von Altenhausen .
Bernhard XI. von der Schulenburg († 1500 ) war der Sohn des Stammvaters des jüngeren Zweigs Matthias I. Er war Herr auf Altenhausen , Angern und Beetzendorf .
Matthias III. von der Schulenburg (* 1506, † 1542 ), gefallen in den Türkenkriegen vor Pest ) war der Sohn von Bernhard XI. von der Schulenburg . Er war Herr auf Altenhausen , Angern und Beetzendorf und setzte den jüngeren Zweig der weißen Linie fort.
Die acht Söhne des Matthias III. von der Schulenburg und Margarethe von der Lühe († 1525), die das Erwachsenenalter erreichten, zeigten bis auf den jüngsten eine ausgeprägte Neigung zum Soldatenstand und nahmen an Kriegszügen teil, aus denen drei nicht zurückkehrten. Der älteste Sohn, Jakob II. (*25.03.1515 in Beetzendorf , †1576 in Magdeburg ), ist neben Fritz VIII. der zweite große Söldnerführer , den das Schulenburg'sche Geschlecht in dieser Epoche hervorgebracht hat.
Daniel I. Reichsfreiherr von der Schulenburg (* 3. Juni 1538 in Altenhausen ; † 6. November 1594 in Angern ) lebte in einer Zeit bedeutender politischer und wirtschaftlicher Umbrüche in der Altmark und im Erzstift Magdeburg .
Henning III. von der Schulenburg (*1587, †01.09.1637) übernahm nach dem Tod seines Vaters Daniel I. den Burghof in Angern. Während des Dreißigjährigen Krieges erlebte er die Verwüstungen, als Angern 1631 zwischen die Fronten der kaiserlichen Truppen unter General Tilly und der schwedischen Armee geriet.
Henning Christoph von der Schulenburg (* 1648 oder 1649 auf Angern , † 27.12.1683 in Staßfurt ) war ein kurbrandenburgischer Hauptmann. Als der älteste Sohn von Heinrich XI. von der Schulenburg (geb. 1621, gest. 1691) und Ilse Floria von der Knesebeck (geb. 1629, gest. 1712) erbte er nach dessen Tod die Güter Angern und Falkenberg.
Heinrich XI von der Schulenburg (* 06.09.1621 auf Angern , + 19.05.1691 in Kehnert )– Herr auf Angern, Kehnert mit Cobbel, Schricke und Falkenburg war der jüngere Sohn von Henning III. von der Schulenburg (*1587, †01.09.1637) und Catharina Schenk von Flechtingen. Er studierte an der Universität Helmstedt , einer der führenden Bildungsstätten des 17. Jahrhunderts. Sein Studium legt nahe, dass er sich früh auf Verwaltungs- und Rechtsfragen spezialisierte, um die weitläufigen und durch Kriegswirren belasteten Güter der Familie effizient zu führen.
Alexander Friedrich Christoph ( 05.08.1720 – 19.09.1801 ) ist Sohn des Heinrich Hartwig I. (Oberst auf Angern, Wenddorf und Bülitz). Sein Oheim Christoph Daniel setzte ihm im Testament das Gut Krüssau als ein Majorat aus. Im Kodizill 1763 wurde dies jedoch dahingehend geändert, dass er Angern als Majorat bekommen sollte, wenn er den österreichischen Dienst verließe und von seinem Landesherrn König Friedrich II. wegen dieses Fehlers Verzeihung erhielte.
Christoph Daniel von der Schulenburg , geboren 1679 auf dem Gut Angern in der Altmark und verstorben ebendort im Jahr 1763 , zählt zu den herausragenden Persönlichkeiten des brandenburgisch-preußischen Adels im 18. Jahrhundert. Sein Lebensweg vereint in exemplarischer Weise militärische Laufbahn , diplomatische Missionen und kulturelles Mäzenatentum . Nach seiner frühen militärischen Ausbildung diente Schulenburg zunächst in brandenburgischen Regimentern und trat später in die sardinisch-savoyische Armee ein, wo er bis zum General der Infanterie aufstieg. Seine militärischen Verdienste zeigten sich unter anderem in den Feldzügen in Italien und der erfolgreichen Verteidigung der Festung Pizzighettone . Parallel dazu wurde er als Gesandter des preußischen Hofes entsandt – etwa nach Warschau –, wo er diplomatisches Geschick mit militärischer Expertise verband.
Die Familiengeschichte des Hauses Angern nimmt seinen weiteren Lauf mit den Söhnen Henning Christophs v.d. Schulenburg : Heinrich Hartwig I (* 23.09.1677 auf Angern, nach anderen Quellen Staßfurth; † 17.06.1734 auf Angern) und Christoph Daniel I .
Zu höherem Ruhm in der savoyischen Armee gelangte sein jüngerer Bruder Christoph Daniel I . (geb. 11.2.1679, gest. 22.11.1763 in Angern). Christoph Daniel von der Schulenburg ist Sohn des Henning Christoph, General der Infanterie auf Angern und Krüssau .
Friedrich Christoph Daniel Graf von der Schulenburg (* 10. Februar 1769 auf Angern; † 16. Mai 1821 in Magdeburg) ist Sohn des Alexander Friedrich Christoph Graf von der Schulenburg .
Edo Friedrich Christoph Daniel , geb. 27.04.1816 in Angern, gest. 06.08.1904 in Angern, wurde 1821 dritter Fideikommissherr auf Angern. Edo war einziger Sohn des Magdeburger Regierungspräsidenten Friedrich Graf v.d. Schulenburg aus dessen zweiter Ehe mit der Tochter des Braunschweigischen Landdrosten, Auguste Luise Adolphine von Cramm. Bei seiner Taufe übernahm König Friedrich Wilhelm III . eine Patenstelle.
Friedrich Wilhelm Christoph Daniel Graf von der Schulenburg (* 1843 in Angern; † 1921) war Sohn des Edo Friedrich Christoph Daniel (1816-1904) und der Helene, geb. v. Schöning. Bei seiner Taufe übernahm König Friedrich Wilhelm IV. die Patenstelle.
Sigurd Wilhelm Graf von der Schulenburg (* 1882; † 1956), Sohn des Friedrich Wilhelm Christoph Daniel (1843-1921) war der fünfte und letzte Fideikommissherr auf Angern. Bei seiner Taufe am 5. November 1882 übernahm Kaiser Wilhelm I. eine Patenstelle , wie auch bei seinem Vater, Großvater und Urgroßvater die damals regierenden preußischen Könige Taufpaten gewesen waren.
Kuno Wilhelm Christoph Daniel Graf von der Schulenburg (* 1923 in Magdeburg; † 1987 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Jurist und Mitglied der XXI. Generation der Familie von der Schulenburg. Kuno Wilhelm wurde als einziger Sohn von Sigurd-Wilhelm Graf von der Schulenburg geboren.
Alexander Friedrich Christoph Graf von der Schulenburg wurde am 4. August 1968 in Frankfurt am Main geboren. Er ist Sohn von Kuno Wilhelm Christoph Daniel (1923-1987) und Jutta, geb. v. Franocis. Er führt die lange Tradition seiner Familie fort, die seit fast 500 Jahren in Angern verwurzelt ist, und engagiert sich aktiv für die Bewirtschaftung der wieder eingerichteten Forstbetriebs sowie die Rekonstruktion und Erhaltung des Schlosses und des Parks.