1. Fundbeschreibung
Der vorliegende Befund umfasst mehrere Keramikfragmente (Scherben), die im Bereich des Erdgeschosses des Palas der Burg Angern geborgen wurden. Die Fragmente sind unregelmäßig gebrochen und weisen eine gekrümmte Form auf, die eindeutig auf ihre Herkunft von einem Gefäßkörper hinweist.
Die Oberfläche ist teilweise von Erdmaterial bedeckt. In freigelegten Bereichen zeigt sich eine matte, gelblich bis rötliche keramische Oberfläche ohne erkennbare Glasur.
2. Materialität und Herstellung
Die Fragmente bestehen aus gebranntem Ton mit grob gemagerter, poröser Matrix und sichtbaren mineralischen Einschlüssen. Diese Merkmale sind typisch für handwerklich gefertigte Gebrauchskeramik. Die Farbunterschiede innerhalb der Scherben sind auf variierende Brennbedingungen sowie auf sekundäre Veränderungen während der Lagerung im Boden zurückzuführen. Eine Glasur oder Engobe ist nicht eindeutig nachweisbar.
3. Formale Merkmale
Die erhaltenen Fragmente zeigen eine gleichmäßige Krümmung sowie eine relativ konstante Wandstärke. Daraus lässt sich ableiten, dass sie von einem rundwandigen Gefäß stammen. Diagnostische Elemente wie Rand, Boden oder Henkel sind nicht erhalten, sodass eine genauere typologische Bestimmung nicht möglich ist.
4. Bau- und Befundkontext
Der Fund stammt aus dem Erdgeschoss des Palas, dessen bauliche Substanz nachweislich mittelalterlich ist und bis in die Bauzeit der Burg zurückreicht. Der Raum selbst stellt somit einen primären historischen Kontext dar. Für die Interpretation des Fundes ist jedoch zwischen dem Baukörper und der Fundschicht zu unterscheiden. Auch in erhaltenen mittelalterlichen Räumen können durch Nutzung, Umlagerung oder spätere Eingriffe jüngere Materialien eingetragen worden sein. Ohne eine genaue stratigraphische Dokumentation lässt sich daher nicht eindeutig entscheiden, ob es sich um einen primären Nutzungskontext des Mittelalters oder um eine spätere Einlagerung handelt.
5. Chronologische Einordnung
Die Keramikfragmente lassen sich aufgrund ihrer Materialität allgemein der grob gemagerten Gebrauchskeramik zuordnen, die vom Spätmittelalter bis in die frühe Neuzeit verbreitet ist. Eine genauere Datierung ist mangels diagnostischer Formelemente nicht möglich. Der Befund ist daher in einen weiten Zeitraum einzuordnen, der sowohl eine mittelalterliche als auch eine frühneuzeitliche Entstehung umfasst.
6. Interpretation
Der Befund belegt die Anwesenheit von Gebrauchskeramik im Bereich des Palas. Ob diese Fragmente unmittelbar mit der Nutzung des Raumes im Mittelalter in Verbindung stehen oder Ergebnis späterer Umlagerungsprozesse sind, kann ohne weitere stratigraphische Daten nicht abschließend geklärt werden. Die Scherben sind daher als unspezifischer, aber aussagekräftiger Fund im Nutzungskontext der Burg zu bewerten, der auf alltägliche materielle Kultur verweist, ohne eine eindeutige zeitliche Zuordnung innerhalb der Nutzungsgeschichte zu erlauben.
7. Ergebnis
Die vorliegenden Fragmente sind als Teile eines keramischen Gefäßes aus grob gemagerter Irdenware zu interpretieren. Sie stammen aus dem Bereich des erhaltenen Palas-Erdgeschosses, lassen sich jedoch ohne stratigraphische Einbindung nicht eindeutig einer spezifischen Nutzungsphase zuordnen. Der Befund dokumentiert die Nutzung des Raumes im Kontext alltäglicher materieller Kultur, ohne eine eindeutige Aussage zur zeitlichen Einordnung innerhalb der Bau- und Nutzungsgeschichte der Burg Angern zu ermöglichen.