Das 13. Jahrhundert

Das 13. Jahrhundert bildet für Angern die Übergangsphase zwischen den ersten urkundlichen Hinweisen auf die Herren von Angern und dem Ausbau der späteren Wasserburg im 14. Jahrhundert. Während die Quellen nur wenige Nachrichten überliefern, sprechen sowohl die Entwicklung der Region als auch bauhistorische Befunde dafür, dass sich in Angern bereits ein befestigter Herrschaftssitz befand.

Gleichzeitig prägten Landesausbau, Dorfgründungen und die zunehmende wirtschaftliche Erschließung der Altmark die Entwicklung der Region. Damit wurden die Voraussetzungen für die spätere Bedeutung Angerns als Herrschafts- und Burgstandort geschaffen.

Der Stammsitz 1237

Der Stammsitz der später weit verzweigten Adelsfamilie von der Schulenburg befand sich im 13. Jahrhundert auf der Schulenburg bei Stappenbeck an der Jeetze nahe Salzwedel in der Altmark. Die Burg gilt als namensgebender Stammsitz der Familie von der Schulenburg.

Die Anlage entstand vermutlich gegen Ende des 12. Jahrhunderts und lag auf einer kleinen, durch die Niederungslandschaft der Jeetze geschützten Burgstelle. Nach archäologischen Untersuchungen handelte es sich nicht um eine reine Turmhügelburg, sondern um eine komplexere hochmittelalterliche Befestigung mit steinernen Gebäuden. Bereits im 14. Jahrhundert wurde die Burg aufgegeben und verfiel.

Im 19. Jahrhundert wurden an der Burgstelle noch Mauerreste eines Turmes, eines Wohngebäudes und eines Kellers dokumentiert. Der Landesdirektor Wilhelm von der Schulenburg ließ die Anlage teilweise freilegen und sichern. Dabei sollen verschiedene mittelalterliche Funde geborgen worden sein.

Im Jahr 2016 führte die Universität Göttingen archäologische Untersuchungen an der Burgstelle durch. Dabei konnten die Fundamente eines ungewöhnlichen achteckigen Steinturms mit einem Durchmesser von etwa zwölf Metern sowie weitere Baustrukturen der Burganlage nachgewiesen werden. Darüber hinaus wurden Reste eines repräsentativen Wohngebäudes, das als Palas interpretiert wird, freigelegt.

Parallel dazu baute die Familie von der Schulenburg ihre Stellung in der Altmark weiter aus. Von besonderer Bedeutung war dabei die Burg Beetzendorf, die erstmals 1204 urkundlich erwähnt wird und sich im Laufe des 13. Jahrhunderts zu einem der wichtigsten Herrschaftszentren der Familie entwickelte.

Die Rolle des Adels

Der Adel spielte im Mittelalter eine zentrale Rolle bei der politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Organisation der Region. Burgen und befestigte Herrensitze dienten dabei nicht nur als Wohn- und Repräsentationsorte, sondern zugleich als Zentren der Herrschaftsausübung. Von hier aus wurden die zugehörigen Güter verwaltet, Abgaben eingezogen und die Bewirtschaftung der herrschaftlichen Ländereien organisiert.

Zu den Aufgaben der Burgherren gehörte die Kontrolle der grundherrschaftlichen Leistungen ihrer abhängigen Bauern sowie die Erhebung von Natural- und Geldabgaben. Darüber hinaus bildeten Burgen wichtige Verwaltungszentren, in denen Urkunden ausgestellt, Besitzrechte geregelt und wirtschaftliche Aktivitäten koordiniert wurden.

Ebenso kam den Burgen eine bedeutende Funktion innerhalb der lokalen Gerichtsbarkeit zu. Die adeligen Grundherren übten verschiedene Herrschafts- und Gerichtsrechte aus, überwachten die Einhaltung bestehender Verpflichtungen und schlichteten Streitigkeiten innerhalb ihres Einflussbereiches. Die von den Schulenburgs beherrschten Anlagen, darunter die Burg Angern und die Burg Beetzendorf, verkörpern diesen Typus einer multifunktionalen mittelalterlichen Herrschaftsburg, die Wohn-, Verwaltungs-, Wirtschafts- und Verteidigungsfunktionen miteinander verband.

Die Wirtschaft

Die wirtschaftliche Struktur der Region war im Hoch- und Spätmittelalter wesentlich durch die Grundherrschaft geprägt. Abhängige Bauern entrichteten Abgaben und leisteten Hand- und Spanndienste für ihre Grundherren. Daneben spielte die Kirche als Grundbesitzer eine bedeutende Rolle. Klöster wie das Kloster Ammensleben wirkten als wirtschaftliche und kulturelle Zentren, bewirtschafteten umfangreiche Ländereien und förderten die Verbreitung neuer landwirtschaftlicher Methoden.

Die wirtschaftliche Grundlage der Region wurde durch den hochmittelalterlichen Landesausbau erheblich gestärkt. Zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert kam es zu umfangreichen Rodungen und zur Erschließung bislang wenig genutzter Gebiete. Die von Albrecht dem Bären und seinen Nachfolgern geförderte Ansiedlung von Siedlern aus den westlichen Teilen des Reiches, darunter auch aus den Niederlanden und Flandern, trug zur Intensivierung der Landwirtschaft und zur Entstehung zahlreicher neuer Dörfer bei.

Der Handel erfolgte sowohl über lokale Märkte als auch über regionale Fernhandelsverbindungen. Eine wichtige Rolle spielten dabei die überregionalen Verkehrswege zwischen Magdeburg und der Altmark. Diese Straßen dienten Kaufleuten, Reisenden und Heerzügen gleichermaßen. Ihre Kontrolle besaß erhebliche wirtschaftliche und politische Bedeutung, weshalb Burgen entlang dieser Routen wichtige Funktionen bei der Sicherung von Herrschaft und Verkehr übernahmen.

Gleichzeitig kam es im 14. Jahrhundert immer wieder zu Übergriffen auf Händler und Reisende. Auch Ritter Gebhard XIV. von Alvensleben, der die Burg Angern zeitweise innehatte, wird in den Quellen mit Überfällen auf Magdeburger Kaufleute in Verbindung gebracht. Diese Ereignisse verdeutlichen die Bedeutung der Verkehrswege für Handel und Herrschaft im spätmittelalterlichen Sachsen-Anhalt.

Die Geschichte Angerns reicht von den ersten nachweisbaren Siedlungen bis in die Gegenwart. Die folgenden Kapitel geben einen chronologischen Überblick über die Entwicklung von Dorf, Burg, Schloss, Park und Familie von der Schulenburg.